headerbild
Logo RefBeJuSo

Kinderehen: Jedes Jahr werden 12 Millionen Mädchen zur Heirat gezwungen

Die internationale Staatengemeinschaft will Kinderehen bis 2030 beenden. Doch davon ist man derzeit weit entfernt.

Als Kinderehe definiert Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, eine «formale Eheschliessung, bei der mindestens einer der Partner unter 18 Jahre alt ist». Jährlich würden etwa zwölf Millionen Mädchen unter 18 Jahren verheiratet, schätzt das Hilfswerk. Insgesamt seien weltweit 650 Millionen Mädchen und Frauen betroffen. Am weitesten verbreitet seien Kinderehen in Subsahara-Afrika und im südlichen Asien. Auch Jungen seien von Kinderehen betroffen, allerdings fünfmal seltener als Mädchen.

Gründe für Kinderehen sind laut Unicef Not und Armut, eine tief verwurzelte Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, soziale Normen und Rollenbilder, fehlende Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, religiöse Bräuche und nicht ausreichende Gesetze. Wenn Not und Armut zunähmen, etwa durch lange Dürreperioden oder kriegerische Konflikte, könne es eine Überlebensstrategie von Familien sein, Mädchen sehr jung zu verheiraten, damit sie versorgt seien oder die Familie einen Brautpreis erhalte. Mädchen, die noch als Kinder verheiratet werden, haben laut dem Kinderhilfswerk ein erhöhtes Risiko, Opfer häuslicher Gewalt zu werden. Ihr mentales und körperliches Wohlbefinden sei stark gefährdet. Würden sie schwanger, erlitten sie häufiger Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt. Da ihnen meist der Besuch einer weiterführenden Schule verwehrt werde, lebten sie häufiger in Armut und hätten erheblich eingeschränkte Zukunftsaussichten.

Mit den «Zielen für nachhaltige Entwicklung» hat sich die internationale Staatengemeinschaft zur Beendigung von Kinderehen bis zum Jahr 2030 verpflichtet. Wichtig dafür seien bessere Gesetze, aber vor allem Prävention, etwa durch Bildung, damit Kinder ihre Rechte kennen und einfordern und ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten könnten, erklärt Unicef.

Quelle: ref.ch, 12. Februar 2026