HEKS ist erleichtert, dass das Stimmvolk die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» abgelehnt hat. «Dieses Ergebnis ist ein wichtiges Signal für einen konstruktiven Umgang mit Vielfalt und Migration. Es bekräftigt zudem unsere Verantwortung, internationale Verpflichtungen zu achten und geflüchtete Menschen zu schützen», sagt Karolina Frischkopf, Direktorin von HEKS. Migration wurde im Abstimmungskampf als zentrale Ursache für gesellschaftliche Herausforderungen wie Wohnungsnot, Umweltbelastung oder die starke Belastung des Gesundheitssystems dargestellt. Komplexe Zusammenhänge wurden dabei stark vereinfacht oder ausgeblendet. Trotzdem hat sich eine differenzierte Sichtweise durchgesetzt: Das Ergebnis zeigt, dass eine Mehrheit die Initiative nicht als geeignete Lösung erachtet. Es ist nun an uns als Gesellschaft, tragfähige Lösungen für die genannten gesellschaftlichen Herausforderungen zu finden.
Migration im öffentlichen Diskurs
Die Abstimmung zeigt aber, dass Zuwanderung die Gesellschaft weiterhin beschäftigt. Die Diskussion dazu muss weitergeführt werden. Dabei gilt es, Herausforderungen offen anzusprechen, sie jedoch auch einzuordnen und differenzierte Perspektiven aufzuzeigen. Denn das Bild, das im Abstimmungskampf von Migrant:innen und Geflüchteten gezeichnet wurde, entspricht nicht unseren Erfahrungen aus den HEKS-Programmen: Wir begegnen Menschen, die sich mit ihren Ressourcen, ihrem Wissen und ihren Ideen einbringen; die sich in der Schweiz – oft allen Widerständen zum Trotz – ein neues Leben aufbauen und ihren Beitrag leisten.
Umso wichtiger ist es, Begegnungen und Dialog zu fördern und Lösungen zu entwickeln, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und die Rechte und Teilhabe aller Menschen garantieren.
Auswirkungen auf Geflüchtete und Migrant:innen
Für Geflüchtete und Migrant:innen bedeutet der Entscheid vor allem Stabilität. Bestehende Rechte und Schutzmechanismen bleiben erhalten und bilden weiterhin die Grundlage für Integration und gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig bleibt die Situation für viele Menschen herausfordernd. Von Grund auf neu zu beginnen – häufig nach traumatisierenden Erfahrungen im Herkunftsland und auf der Flucht – ist anspruchsvoll. Integration erfordert Zeit, verlässliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Offenheit; eine weitsichtige Integrationspolitik, die nicht nur Druck aufbaut, sondern möglichst rasch Zugang zu Bildung und Arbeit ermöglicht.
HEKS engagiert sich weiterhin konsequent für die Grundrechte und die Teilhabe aller Menschen. Einerseits durch anwaltschaftliche und politische Arbeit, andererseits indem wir in unseren Programmen Menschen individuell stärken und Begegnung und Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft fördern. Eine inklusive Gesellschaft entsteht nicht von selbst. Sie braucht Engagement, Verantwortung und den Willen, gemeinsame Lösungen zu finden. Dafür setzt sich HEKS ein. Gerade in Zeiten grundlegender gesellschaftlicher Debatten bleibt unser Auftrag klar: Wir stehen für Menschlichkeit ein und tragen mit unserem Engagement dazu bei, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Quelle: Stellungnahme von HEKS, 14. Juni 2026

