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Filmtipps: «Memoria»

Orchideenzüchterin Jessica wird eines Nachts von einem seltsamen Knall geweckt. Offenbar kann nur sie das Geräusch hören. Hat sie einen Zusammenbruch oder ist der Ton ein Vorbote einer grundlegenden Veränderung? Jessica macht sich auf Spurensuche.
 

Die Schottin Jessica Holland (brillant: Tilda Swinton) lebt in der kolumbianischen Millionenstadt Medellín und züchtet dort Orchideen. Als sie in Bogotá ihre Schwester Karen besucht, wird sie eines Nachts durch einen sonderbaren Knall aus dem Schlaf gerissen. Ein paar Tage später hört sie in einem Restaurant den dumpfen Ton abermals, doch offenbar nimmt niemand ausser Jessica ihn wahr. Das Geräusch scheint ein Vorbote oder Symptom einer tiefgreifenden Veränderung zu sein, die sie nicht einordnen kann. Erleidet sie gerade einen psychotischen Zusammenbruch oder steht sie kurz vor einer Seelenwanderung? Gemeinsam mit einem Tontechniker versucht sie, das «Grollen aus dem Erdinneren» zu ergründen und unter allen möglichen Klängen herauszufiltern. Doch das bringt sie einer Antwort nicht näher. Was will ihr das Geräusch sagen?

Auch der erste nicht in Thailand gedrehte Film von Apichatpong Weerasethakul («Uncle Boonmee», 2010) beschäftigt sich, wie viele seiner früheren Werke, mit Reinkarnation. «Memoria» ist zudem beeinflusst von der Tatsache, dass Weerasethakul selbst an einer Art akustischen Halluzination litt. Er begann, sich mit den Konzepten Trauma, Leid und Erinnerung zu beschäftigen. Der Film entfaltet eine sogartige, meditative Wirkung und bleibt durchgehend rätselhaft. Seine hypnotische Qualität zieht er aus dem langsamen, lyrischen Stil. «Memoria» folgt einer traumähnlichen Logik, um letztendlich über die tiefe menschliche Existenzangst zu sinnieren.

«Memoria», Kolumbien, Thailand, Vereinigtes Königreich, Mexiko, Frankreich 2021; Regie: Apichatpong Weerasethakul; Besetzung: Tilda Swinton, Jeanne Balibar, Juan Pablo Urrego; Verleih: Cinémathèque suisse.

Seit 2. Juni 2022 im Kino.

Quellen: www.ref.ch, cineman.ch